Basiskonto als Gemeinschaftskonto

Aus welche Gründe ist ein Basiskonto als Gemeinschaftskonto möglich?

Basiskonto als Gemeinschaftskonto: Für eine uneingeschränkte Teilnahme am wirtschaftlichen und sozialen Leben ist der Zugang zu Zahlungsdiensten in der modernen Gesellschaft zweifellos unentbehrlich geworden. Trotzdem ist die Möglichkeit, grundlegende  Transaktionen wie die Überweisung der Miete durchzuführen, nicht flächendeckend gewährleistet, obwohl die Einführung des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums in Form von SEPA dazu beitragen sollte.

Die Kommission der Europäischen Union hat aus diesem Grund einen Gesetzesentwurf vorgelegt, welcher jedem europäischen Bürger und jeder Bürgerin das Recht auf ein eigenes Bankkonto gewährt. Dadurch erhalten viele Menschen in Europa endlich die Chance ein eigenes Konto zu eröffnen, was zuvor beispielhaft aufgrund von Fehlen eines festen Wohnsitzes oder negativen Bonitätseinträgen nicht machbar war.

Viele Paare und Lebenspartner stellen sich nun die Frage, ob sie ein Basiskonto als Gemeinschaftskonto mit Guthabenfunktion eröffnen können. Diese Option wird aber nicht realisierbar sein, da die Konten nur auf eine Person zugelassen werden können. Natürlich kann aber nach dem Gesetzesentwurf jeder Partner wieder ein Konto eröffnen, auch wenn einer der beiden verschuldet sein sollte. Somit fällt auch dem anderen Partner eine große Belastung von den Schultern.

Wegen der eigenständigen Verfügungsbefugnis und aufgrund der besonderen Vertrauensbasis läuft man bei Gemeinschaftskonten Gefahr, dass das Konto von einer Partei „geplündert“ wird, insbesondere bei nicht mehr aktiven Eheverhältnissen oder in großen Streitsituationen. Der Großteil der Experten und Paartherapeuten empfehlen in puncto Beziehung, vielen Pärchen eine gemeinsame Führung eines Kontos zu vermeiden.

Wie funktioniert ein Gemeinschaftskonto?

  • Falls auf dem Gemeinschaftskonto ein Guthaben verfügbar ist, so steht dieses grundsätzlich jedem der Partner zur Hälfte zu. Dies gilt unabhängig davon, woher das Geld stammt. Bezieht also nur einer der Partner ein Einkommen, das auf das Gemeinschaftskonto fließt, steht dennoch die Hälfte des Guthabens dem anderen Partner zu. Das gilt nur dann nicht, wenn die Partner etwas anderes vereinbart haben. Behauptet ein Partner, ihm stünde mehr als die Hälfte zu, muss er beweisen, dass es eine solche Absprache gibt.
  • Wird das Gemeinschaftskonto überzogen, haften grundsätzlich alle Kontoinhaber für die Rückzahlung in voller Höhe. Etwas anderes gilt nur, wenn einer der Kontoinhaber das Konto überzogen hat und der andere davon keine Kenntnis hatte und auch nicht mit der Überziehung rechnen musste. Solche Verfügungen sind nicht durch die mutmaßliche Einwilligung des Partners gedeckt. Bedient sich beispielsweise ein Partner kurz vor der Trennungnoch schnell auf dem Gemeinschaftskonto, gilt Folgendes: Hebt er mehr als die Hälfte des Guthabens ab, muss er dem Partner den Differenzbetrag erstatten.

Was sind die Arten von Gemeinschaftskonten?

Zurzeit sind die folgenden Arten von Gemeinschaftskonten für Eheleute oder Partner verfügbar:

Oder-Konto:

Die meisten Partner bevorzugen diese Form des Basiskonto als Gemeinschaftskonto für den Zahlungsverkehr. Denn beim Oder-Konto:

  • Kann jeder der beiden Kontoinhaber selbständig, also unabhängig vom anderen, über das Guthaben und eine möglicherweise eingeräumte Kreditlinie verfügen.
  • Meist haben beide Kontoinhaber EC- oder Kreditkarten, mit denen sie über das Konto verfügen. Natürlich setzt ein Oder-Konto voraus, dass die Partner einander vertrauen. Denn jeder Kontoinhaber kann mit dem Geld auf dem Konto machen, was er will – ohne Einwilligung des anderen.
  • Für Zwecke der Erbschaftsteuer sind Oder-Konten oder Oder-Depots grundsätzlich jedem der Eheleute oder eingetragenen Lebenspartner zuzurechnen. Dies gilt unabhängig von der Herkunft des Geldes oder des Erwerbs der Wertpapiere auf dem Depot (Finanzgericht Düsseldorf, Urteil vom 19. Juli 1995,  4 K 7813/91).
  • Im Falle des Todes eines der Partner können unter Umständen unerwünschte Folgen auftreten. Angenommen, ein Partner greift überaus großzügig auf das Konto zu, während der andere sparsam lebt. Das könnte beim Tod des sparsamen Partners dazu führen, dass dessen Erben Forderungen an den überlebenden Partner stellen.

Und-Konto:

Das Und-Konto ist in der Praxis die Ausnahme.

  • Hier können die Partner sämtliche Finanzgeschäfte immer nur gemeinsam tätigen. Zum Beispiel muss jede einzelne Überweisung stets von beiden Partnern unterschrieben werden. Diese Art des Gemeinschaftskontos ist daher für Ehepartner im Alltag unpraktisch und damit ungeeignet. Meist verwenden Vereine oder Organisationen Und-Konten, um möglichen Missbrauch auszuschließen.
  • Ein Nachteil des Und-Kontos ist auch, dass im Fall des Todes eines der Partner der überlebende Partner nur zusammen mit den Erben des verstorbenen Partners über das Konto verfügen kann.

Um ein Basiskonto als Gemeinschaftskonto zu eröffnen, müssen die Beteiligten übrigens nicht mal verheiratet sein. Auch regelmäßige Geldeingänge oder ein Mindestumsatz sind in der Regel keine Bedingung. Eine gemeinsame Adresse reicht meist völlig aus.

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